Testgelände „Streiter Forst“ – Praxisnahe Erprobung biologisch abbaubarer Biopolymere im Wald

Testgelände „Streiter Forst“

Die Entwicklung nachhaltiger Kunststoffprodukte für den forstlichen Einsatz stellt hohe Anforderungen an Material, Konstruktion und Abbauverhalten. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, reichen reine Laborprüfungen nicht aus. Aus diesem Grund betreiben wir gemeinsam mit den bayerischen Staatsforsten und der Technikerschule für Kunststofftechnik in Wasserburg am Inn das Testgelände „Streiter Forst“.

Unter der damaligen Leitung von Herrn Dr. Heinz Utschig, wurde 2023 im Rahmen einer Abschlussarbeit der Technikerschule das Testgelände eröffnet. Hier sollen biologisch abbaubare Kunststoffe unter realen Wald und Umgebungsbedingungen erprobt werden können.

Das Testgelände ermöglicht es uns, Materialien und Produkte langfristig im praktischen Einsatz zu untersuchen. Diese Zusammenarbeit bildet die Grundlage für belastbare Ergebnisse, die sowohl ökologischen als auch forstwirtschaftlichen Anforderungen gerecht werden.

Warum Tests im Wald unverzichtbar sind

Laborprüfungen liefern wichtige Vergleichswerte, können die komplexen Bedingungen im Wald jedoch nur eingeschränkt abbilden. Erst der Einsatz unter realen Umweltbedingungen zeigt:

  • wie sich Materialien bei wechselnden Temperaturen, UV-Strahlung und Feuchtigkeit verhalten,
  • welchen Einfluss Bodenorganismen und Mikroflora auf den Abbau haben,
  • wie mechanische Belastungen durch Wild, Wind und Pflanzenwachstum wirken.

Auf dem Testgelände „Streiter Forst“ führen wir diese praxisnahen Langzeituntersuchungen systematisch durch. Hier testen wir herstellerunabhängig unsere Materialien in verschiedenen Verabeitungsformen, wie Spritzguss oder Extrusion. Auch unsere eingesetzten Farben sind biologisch abbaubar und werden gezielt auf ihr Verhalten im natürlichen Umfeld geprüft. Um das Abbauverhalten in und unter der Erde besser zu verstehen, werden sämtliche Prototypen zusätzlich eingegraben und über längere Zeiträume beobachtet.

Entwicklung eines vollständig biologisch abbaubaren Verbissschutzes

Den Ausgangspunkt bildete im Jahr 2023 eine Abschlussarbeit an der Technikerschule für Kunststofftechnik Wasserburg am Inn. In diesem Rahmen wurden erste Prototypen einer Terminaltriebschutzklemme entwickelt, einem Verbissschutz für junge Nadelbäume.

Ziel war die Entwicklung eines Produkts, das:

  • einen zuverlässigen Schutz des Terminaltriebs bietet,
  • praxisgerecht montierbar ist,
  • sich nach seiner Nutzungsdauer vollständig biologisch abbaut.

Neben der grundsätzlichen biologischen Abbaubarkeit standen insbesondere mechanische Eigenschaften, Witterungsbeständigkeit und die industrielle Verarbeitbarkeit im Fokus der Entwicklung.

Vom Prototyp zur Serienreife

Die Prototypenphase lieferte zahlreiche wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Produkts. Unterschiedliche Materialrezepturen und Konstruktionsvarianten wurden über mehrere Vegetationsperioden hinweg getestet und kontinuierlich optimiert.

Viele Materialien schieden im Verlauf der Tests aus – etwa weil sie unter Umwelteinflüssen zu spröde wurden, zu schnell reagierten oder sich als besonders attraktiv für Wildtiere erwiesen und stärker verbissen wurden als die geschützte Baumspitze selbst.

Über mehrere Jahre hinweg entstand so ein serienreifes Produkt, das den Belastungen des forstlichen Alltags standhält und gleichzeitig den Anspruch an eine konsequent nachhaltige Materiallösung erfüllt.
Für die Weiterentwicklung unseres Produktes wurde uns von der Flügel GmbH freundlicherweise ein Serienwerkzeug zur Verfügung gestellt.

Das Testgelände „Streiter Forst“ dient nicht nur der Prüfung bestehender Produkte, sondern auch als Entwicklungsplattform für zukünftige Anwendungen. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in neue Produktkonzepte aus biologisch abbaubaren Kunststoffen ein.
Auch unter der neuen Betriebsleitung im Forstberieb Wasserburg durch Herrn Joachim Keßler, geht die Forschung weiter und wir widmen uns neuen Projekten. Als nächstes soll ein abbaubarer Fegeschutz entwickelt und ausgetestet werden.

Unser Anspruch ist es, Nachhaltigkeit, Funktionalität und Praxistauglichkeit dauerhaft miteinander zu verbinden – auf Basis realer Daten aus dem Wald.